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Der parodierte Goethe
Neue Texte zu alten Gedichten
Der parodierte Goethe Noch mehr Goethe-Parodien? Gibt es nicht schon genug davon? Im Prinzip ja. Aber wenn ein Klassiker, der zudem als größter Dichter der Deutschen gilt, auf so hohem Sockel thront wie der geheime Rat und spätere Staatsminister, dann kommt keine Generation daran vorbei, seine Werke nicht nur zu lesen, sondern auch zu parodieren - gehört es doch seit jeher zu den niederträchtigen Eigenschaften des Menschen, das Erhabene durch Scherz, Satire, Ironie und Spott aus himmlischen geistigen Sphären möglichst auf die schnöde Ebene des Profanen herunter zu zerren.
   Zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) beteiligen wir uns an diesem seit gut zwei Jahrhunderten betriebenen impertinenten Spielchen und feiern ihn gemeinsam mit zahlreichen Autorinnen und Autoren auf ruchlose Art und Weise.
Herausgegeben von Axel Kutsch

Verlag Landpresse, Weilerswist, 1999
www.landpresse.de

ISBN 3-930137-81-X


Die Beiträge von Weinrich Weine:
Erlkönig
Wer strömet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist Vater Rhein mit seinem Kind.
Er hat das Fischlein wohl im Fluß.
Er fühlt sich sicher, aus einem Guß.

- Mein Sohn, was birgst Du so bang Dein Gesicht? -
- Siehst, Vater, Du den Erlkönig nicht?
  Den Erlkönig mit Chlor-Gift-Schweif? -
- Mein Sohn, es ist ein Algenstreif. -

"Du lieber Fisch, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit Dir;
Manch' bunter Farbstoff ist an dem Strand!
Meine Mutter hat quecksilber Gewand."

- Mein Vater, mein Vater, und hörest Du nicht,
  Was Erlkönig mir leise verspricht? -
- Schwimm ruhig, bleib ruhig, mein Kind;
  In kurzen Wellen säuselt der Wind. -

"Willst, feiner Fisch, Du mit mir gehn?
Meine Töchter sind Retortenfeen;
Meine Töchter führen in nächtlichen Rhein
Salz, Kali, Abwässer und Giftstoffe ein."

- Mein Vater, mein Vater, und siehst Du nicht dort
  Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
- Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau;
  Es scheinen die alten Weiden so grau. -

"Ich lieb' Dich, mich reizt Deine schöne Gestalt;
Und bist Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt."
- Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
  Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater Rhein grauset's, er strömt geschwind,
Er hält in den Wogen das ächzende Kind,
Erreicht die See mit Müh' und Not;
Nicht nur der Fisch, der Rhein war tot.

Nur wer den Knoblauch kennt
Nur wer den Knoblauch kennt,
dreht sich zur Seite,
der mit mir liebt und pennt,
sucht schnell das Weite.

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