Weinrich Weine alias Jürgen Preuss

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Betrifft: Nr. 10, Oktober 2006, Ausgabe D

Título: Trinkergedichte
Weinliteratur?Anders als über Bier und Nagellackentferner schweigt sich die Belletristik über Wein aus. Ein paar grundsätzliche Überlegungen.
Von Stefan Behr
FlannO’Brien hat mit dem kurzen Stück "Durst" dem Bier und natürlich auch dem Whiskey ein literarisches Denkmal gesetzt. Wenedikt Jerofejew hat das sogar beim Fusel geschafft. Wer sein Werk "Die Reise nach Petuschki" gelesen hat, ist geneigt zu glauben, es gäbe nichts Himmlischeres als einen Cocktail aus Wodka und Nagellackentferner, auch wenn sich das im Selbstversuch relativiert. 
Undbeim Wein? Oje. Da sieht’s von Anfang an zappenduster aus. In einer seiner ersten literarischen Beurkundungen richtet er großen Kopfschmerz an: Der Zyklop Polyphem gießt sich in Homers "Odyssee" mit vergorenem Traubensaft einen auf die Lampe, Odysseus rammt ihm einen Pfahl ins Auge, der Zyklop hat einen Heilandskater, und der Wein ist bereits in der Antike in Misskredit. Schlimm für Polyphem, schlimm für den Wein.
Abernicht so schlimm wie die aktuellen Weinkrimis, die giftpilzartig im Bücherwald sprießen, und zwar auf dem ungesunden Boden der Klugscheißerei. Zäh wie Kleister mäandert die klägliche Handlung durch die stets zahlreich vorhandenen Weinberge. Das einen Krimi gewöhnlich in Fahrt bringende Verbrechen wird durch die Verkostung ersetzt, und zwar mit einer Fachhuberei, mit der bereits Herman Melville seinen ansonsten blitzsauberen Roman "Moby Dick" mit Waldetails zu Schanden simpelte. 
"Martinließ den Wein über die Zunge laufen, bewegte ihn im Mund, öffnete die Lippen ein wenig, um Luft einzusaugen, und schnatterte wie eine Ente. Da war die Ungereimtheit, etwas Unausgegorenes, unangenehm", heißt es in einem der Krimis. Martin hat Recht. Es ist die Weinliteratur. Es ist zum Heulen.
Dass es aber immer noch eine Stufe drunter geht, das beweist Jürgen Preuss, der unter dem Pseudonym Weinrich Weine Weingedichte veröffentlicht:
"Der eine trank nur Wasser
Und wurde täglich blasser.
Es stand ihm nämlich bis zum Hals,
geschmacklos war es ebenfalls.
Ganz anders der Genießer,
tagtäglich Wasser ließ er.
Dezent geschmackvoll Tag für Tag
der Wein auf seinen Wangen lag."
Eigentlich sollte da Schamesröte liegen. Denn damit hat die Weinlyrik locker die ohnehin niedrige Latte der Bierkneipensprüche gerissen. Irgendwer muss einschreiten, denn wer sich gleichermaßen am Wein und an der Lyrik vergeht, begeht ein Verbrechen, das in angemessener Form geahndet werden muss.

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Betrifft: neues rheinlandNr. 4, April 2003

Auf der Seite "Lyrik" erschienen 7 Gedichte von Jürgen Preuss, darunter folgendes:
OSTERN II

Urbi und Orbi

Urbi:
"Stammt der Polnische
Papst in veritas aus
Öster-Ei Ungarn?"

Orbi:
"Der glaubt immer
Noch an den lieben
Esterházy."

Der Leser Bertram Graf von Nesselrode, seines Zeichens Bauassessor, beschwerte sich über dieses Gedicht beim Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland, Herrn Udo Molsberger. Dieser "Leserbrief" war in der Juni-Ausgabe abgedruckt:
Original-Fax "In Ihrem Magazin finde ich auf Seite 25 so genannte Lyrik von Herrn Jürgen Preuss. Bei dem 'Gedicht' OSTERN II - mittig auf der Seite abgedruckt - handelt es sich nicht um Lyrik, sondern um eine billige Geschmacklosigkeit.
Gerade in den vom Steuerzahler bezahlten Schriften des Landschaftsverbandes Rheinland erwarte ich einen respektvolleren Umgang mit der katholischen Kirche.
Ich bitte Sie, für eine entsprechende Korrektur in der nächsten Ausgabe des 'nr' zu sorgen. Selbstverständlich dürfen Sie diesen Brief veröffentlichen. Ich werde diesen Brief mit der Kopie der entsprechenden Seite u.a. an unsere Vertreter in der Landschaftsversammlung weiterleiten."

Bertram Graf von Nesselrode,
Mitglied des Kreistages im Rhein Kreis Neuss

Der stellvertretende Chefredakteur Günther Hennecke kommentierte diesen Leserbrief im Editorial wie folgt:
"... In den Chor des Unverständnisses gegenüber der Absicht, 'nr' einzustellen, mischt sich freilich auch Kritisches. So beschwerte sich einer unserer Leser über eine, wie er urteilt, 'grobe Geschmacklosigkeit', die eins der in der April-Ausgabe abgedruckten Gedichte auszeichne (s. Leserbrief oben). Nun mag man über 'Geschmack' trefflich streiten. Zur demokratischen Spielregel in einer freien Gesellschaft gehört es aber auch, der Kunst einen größtmöglichen Freiraum zu bieten.
   In diesem Sinne sind wir stolz darauf, der rheinischen Kultur in 'nr' stets einen solchen Freiraum geboten zu haben. Die viel gerühmte und oft beschworene Toleranz des Rheinländers sollte sich auch hier als Realität erweisen. Nicht nur in der Unverbindlichkeit des Alltags, sondern auch und gerade in der Kunst."

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